WFM Teodora Rogozenco

Geburtsjahr: 2000


Verein: Hamburger SK

Land: Deutschland

ELO: 2136

Titel: WFM






Mit welchen Erwartungen trittst Du in Erfurt an?
An mich selbst stelle ich meistens keine Erwartungen, vor allem nicht im Leistungsbereich. Warum? Nun, Erwartungen zu haben heißt nichts anderes, als sich im Vorfeld eine Messlatte zu erstellen, zu sagen: "So hoch (mindestens) sollte meine Leistung sein". Aber sobald ich das tue, fange ich an, mich an meinen Erwartungen zu messen, meine Ergebnisse damit zu vergleichen. Ich vergleiche mich und meine Leistung mit dem im Vorfeld von mir geschaffenen fiktiven Erwartungs-Ich. Die Erwartungen werden zu dem Normalen und ich muss mich anstrengen, um dieses "Normale" zu erreichen. Wenn ich gewinne, denke ich "gut, nur noch (...) bis zu dem, was ich mir vorgenommen habe" anstatt zu denken "Oh, toll! So, und jetzt die nächste Partie...". Ich lebe sozusagen nicht in der Gegenwart, sondern in der erwarteten Zukunft (in welcher ich mein Ziel erreicht habe), blicke zurück und feuere mein früheres Ich an, den Weg zu gehen, um mein Ich bzw. mein "Erwartungs-Ich" aus der (ausgedachten) Zukunft zu werden.
Wenn unter dem Begriff "Erwartungen" auch Ziele, Wünsche, Hoffnung mit hineinspielen, dann... wäre es natürlich schön, einige interessante Kampfpartien zu spielen. Noch schöner wäre es, auch einige von ihnen zu gewinnen. Und natürlich wird es immer schöner, je mehr Partien man gewinnt und desto weniger man verliert... Aber empfindet nicht jeder so?
Oder sollte ich hier lieber aufschreiben, welches Ergebnis ich meinerseits für am wahrscheinlichsten halte, so wie manche Menschen versuchen, Fußball-Ergebnisse vorauszusagen, oder vielleicht sogar eine Schnittstelle finden zwischen meinen Wünschen und dem, was ich für "wahrscheinlich" oder "machbar" halte? Das versuche ich immer dann zu tun, wenn man mich nach meinen Zielen fragt. Aber wie kann ich mir so etwas zutrauen? "Hm, 5/9 halte ich für realistisch." Bei genauerem Hinsehen bedeutet das jedoch, dass ich mir "vornehme" 4 Partien zu verlieren. "Die erste könnte ich vielleicht gewinnen, wenn ich mich anstrenge, aber die Zweite, nein, zweimal hintereinander zu gewinnen ist wohl eher unwahrscheinlich; die dritte Partie..."...? Letzten Endes versuche ich, mich in einen Außenstehenden hineinzuversetzen und überlege aus seiner Sicht, welches "Ziel" wohl für mich am angemessensten erscheint (was eigentlich jedoch nicht Ziel der Sache istglücklich).


Was war Dein bisher größter Erfolg?
Schachlich und/oder gesellschaftlich gesehen ist der erste Platz bei der Deutschen Einzelmeisterschaft U18w wohl meine bisher bedeutendste Errungenschaft.

Welches war die beste Partie, die Du bisher gespielt hast?
Einer der interessantesten Partien war vielleicht die gegen Rakhmangulova, Anastasiya .

Wer ist für Dich die beste Spielerin aller Zeiten?
Judit Polgar, denn sie ist dem Weltspitzenniveau am nächsten gekommen. Auch finde ich ihr Spiel und ihre schachliche Entwicklung sehr inspirierend.

Welche drei Schachspieler/Schachspielerinnen würdest Du zum Abendessen einladen?
Eine schwierige Frage. Vor allem, wenn der gesellschaftliche Aspekt mit in Betracht gezogen wird. Beispielsweise sollte ich vor keinem der drei gewählten Schachspieler/spielerinnen zu großen Respekt haben, damit ich überhaupt in der Lage bin, einen Ton herauszubringen. Und diese sollten andererseits willig sein, sich mit mir zu unterhalten und untereinander, falls die Fragestellung von einem gemeinsamen Dinner ausgeht. Ich lasse diesen Aspekt der Einfachheit halber lieber aus....

1. Robert James Fischer, bevor er Weltmeister wurde
2. Vladimir Chuchelov
3. Garri Kasparov

Welches Schachbuch hat Dich am meisten inspiriert?
Bisher habe ich mich kaum auf inspirierende Schachbücher eingelassen; meist nur auf Taktik- und Eröffnungsbücher. Dennoch hätte ich eine (momentane) Antwort auf die Frage: "Der selbständige Weg zum Schachprofi" von Artur Jussupow / Mark Dvoretzky.

Wie erholst Du Dich vom Schach?
Ich denke nicht, dass man sich vom Schach oder irgendetwas Anderen an sich "erholen muss". Genauso wie viele andere Tätigkeiten gehört Schach für mich zum Alltag. Ich denke, die Mischung macht's. Genauso wie gesagt wird, man solle sich vielfältig ernähren, sollte man auch in unterschiedlichen Bereichen Tätigkeiten ausführen. Beispielsweise muss sich mein Körper, wenn ich mich relativ ausgewogen ernähre, nicht von einer Banane erholen. Nach einer Diät jedoch, in welcher ich mich ausschließlich von Bananen ernährt habe, muss sich mein Körper sehr wohl erholen, da ich ihm mindestens etwas entzogen habe. Dasselbe Prinzip kann man auf Tätigkeiten übertragen.
Nach intellektuell anspruchsvollen Tätigkeiten beispielsweise kann man sich mit physisch anspruchsvollen Tätigkeiten "erholen" oder umgekehrt. Aber eigentlich ist dies eher ein Ausgleich, den man durch Vielfalt herstellt.
Schließlich ist Schach ja an sich nichts Negatives, von dem man sich erholen müsste. Man muss sich nur von Schach erholen, wenn man Schach so intensiv betreibt, dass man anderes Essenzielles weglässt und "dem Körper oder Geist" dadurch etwas entzieht. Aber selbst dann wird sich nicht vom Schach erholt, sondern vom Weglassen anderer essenzieller Tätigkeiten, wofür man selbst zwar das Schachspielen verantwortlich machen könnte, was aber so nicht ganz richtig wäre.
Zum Inhalt meines Alltags (welcher im Optimalfall durch die angestrebte Vielfalt seiner Einzelkomponenten für deren/den "Ausgleich" sorgt) gehören (außer Schach) größtenteils unablässige Dinge, wie zur Schule zu gehen, zu schlafen und zu essen. In meiner "Freizeit" philosophiere ich, lerne Japanisch oder treibe Sport, wobei ich mit meiner momentanen Freizeitgestaltung (und generell meinem Alltag) eher unzufrieden bin.


Computer im Schach – sind sie Fluch oder Segen?
Genauso wie Wissenschaft und Technik würde ich Computer im Schach zunächst als Segen sehen, also als Fortschritt, als eine zusätzliche sehr hilfreiche neue Option, welche bei korrektem Nutzen in gewissen Situationen eine Verbesserung darstellen kann; durch Computer steigt das allgemein zugängliche Wissen. Ob dadurch auch das allgemeine Niveau steigt, das steht auf einem völlig anderen Blatt. Ich persönlich würde eher zu "nein" als Antwort tendieren. Ich denke, dass das allgemeine Schachverständnis vielleicht sogar abgenommen haben könnte, da es durch die zusätzliche Option "den Computer zu befragen" nicht mehr (oder in sehr geringem Ausmaß) ohne weiteres gefordert wird. Außerdem ist der Unterschied zwischen einem Top-Spieler und einen Amateur kleiner geworden, denn auch der Amateur kann beispielsweise die Theorie (z.B. bis zur "Remisstellung") auswendig lernen. Generell wird heutzutage sehr viel auswendig gelernt, anstatt -wie früher- etwas selbst zu analysieren und herauszufinden. Dieser für die Schachentwicklung wichtige Prozess wird durch diese einfachere und schnellere neue Option "Schachcomputer" oft fast gänzlich ausgelassen.

Dein Lieblingsgetränk?
Frisch gepresster Orangensaft oder Mischungen aus frisch gepressten Säften (mit/ohne Blattsalat). Oder einfach stilles Wasser, das geht immerglücklich.

Welchen Traum möchtest Du Dir im Schach oder im Leben erfüllen?
Selbstverwirklichung



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